About Flickr – Ein Erfahrungsbericht (und was ich daraus gelernt habe)

flickr screenshotUnter den Foto-Communities ist Flickr so eine Art Urgestein, für manche auch schon ein Dinosaurier. Die Qualität der Fotos ist im Durchschnitt ziemlich bescheiden, aber mit etwas Übung und den richtigen Einstellungen findest du tolle Fotos (und Fotografen), die dir als Inspirationsquelle dienen können. Ich glaube nicht alle Flickr User betrachten sich als Fotografen und finde es auch legitim Flickr als Momente-Sammler-mit-einer-Handy-Kamera-in-der-Hand zu nutzen. Trotzdem war die ursprüngliche Idee einmal, Fotos zu teilen, sie zu besprechen und durch Feedbacks, Tipps und Kommentare am fotografischen Leben des anderen teilzuhaben. Aber funktioniert das?

Was ich an Flickr mag

Es ist interessant zu schauen welche meiner Bilder auf Zuspruch treffen – und welche nicht. Natürlich ist es ein gutes Gefühl wenn ein Foto tausende von Aufrufe hat und von mehreren hundert Usern als Favorit (Lieblingsbild) markiert wird. Wenn wir etwas tun, das uns selbst etwas bedeutet, ist Anerkennung ein wichtiges Thema – ob wir uns das zugestehen wollen oder nicht.

Aber was kann ich mit den Feedbacks anfangen? Sind die Reaktionen auf meine Fotos echt, sind sie konstruktiv und hilfreich? Kann ich mich als Fotograf mit Hilfe der Community weiterentwickeln?

Zuerst fasse ich mich also an der eigenen Nase und achte darauf, selbst konstruktive und authentische Feedbacks zu den Fotos anderer zu geben. Aber das einmal voraus gesetzt – es kommt der Punkt da ich mich frage „was darf ich erwarten für all diese Zeit in Flickr? Lohnt sich der Aufwand? Was bringt mir Flickr?“

Die Antwort ist: Es kommt darauf an, was du willst. Für viele ist Flickr eine Art öffentliches Fotoalbum. Und in dieser Funktion ist die Plattform wirklich sehr gut. Ich selbst betrachte Flickr eher als Selbsthilfegruppe von Fotografen auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Ich nehme mich selbst da nicht aus und es soll auch keine Wertung sein, denn wozu mache ich Fotos wenn sie niemand anschaut? Bezogen auf die Plattform Flickr ist das aber leider kein Kompliment sondern der größte Nachteil. Was ich auf Flickr gelernt habe, ist eigentlich nichts neues und gilt praktisch für alle Social Networks: die Inhalte sind völlig austauschbar, denn das Funktionsprinzip ist Reflexivität.

Mit Reflexivität meine ich folgendes:

  • Anerkennung zu bekommen übt grundsätzlich einen Reiz auf uns Menschen aus, ist ein Grundbedürfnis und ein starker Motivator. Von diesem überaus menschlichen Motiv leben soziale Netzwerke. Leider ist Anerkennung kein Maßstab für die Qualität meiner Fotos sondern eher dafür wie viel Aufmerksamkeit ich selbst anderen Usern auf der Plattform schenke
  • selten kommentiere ich Fotos, weil ich sie besonders toll finde oder zu viel Zeit habe. Ich kommentiere Fotos, weil der andere meine Fotos kommentiert hat -oder weil ich möchte, dass dies jemand tut. Das mag nicht auf alle User zutreffen, aber mit größter Wahrscheinlichkeit auf alle User, die einem normalen Beruf nachgehen.
  • es geht selten um die Qualität der Feedbacks als vielmehr um die Quantität. Für Qualität bleibt keine Zeit (unter „Neueste Aktivität“ sammeln sich in meinem Account über 500 Meldungen pro Woche an)
  • die Quantität der erreichbaren Feedbacks (Aufrufe, Favoriten, Kommentare) hängt weniger von der Qualität meiner Fotos ab als vielmehr von der Anzahl Usern die mir folgen
  • auch die Anzahl meiner Follower hängt nicht von der Qualität meiner Fotos ab als vielmehr von der Anzahl Profile, denen ich selbst folge
  • …oder anders ausgedrückt: je mehr Fotostreams ich selbst (aktiv und passiv) folge umso mehr positives Feedback bekomme ich auf meine Fotos.

Bringt mich Flickr also weiter?

Ich finde Flickr als soziales Experiment interessant, nicht als Foto-Community. Es gibt Fotos von mir auf Flickr die sehr viel mehr Aufrufe – als ich Follower habe. Das freut mich natürlich. Und es gibt Fotos die deutlich weniger Aufrufe haben. Natürlich habe ich unterschiedliche Fotos in unterschiedlichen Gruppen zu anderen Zeiten gepostet, das mag einen gewiss Einfluss haben. Aber es gibt klare Favoriten, d.h. gewisse Fotos werden definitiv häufiger angeschaut, favorisiert und kommentiert. Aber sind das die Fotos die mir selbst am besten gefallen? Nein. Sie gefallen mir und es sind die populärsten. Aber es gibt definitiv Fotos die mir persönlich mehr bedeuten.Die Flickr Community zeigt mir welche meiner Fotos populär sind. Oder mit anderen Worten: welche Fotos mainstream-kompatibel sind. Sie gibt mir keine Idee davon, welche Fotos von mir GUT sind. Das ist nicht das gleiche.

Gut ist ein Foto, wenn es mir gefällt weil es etwas zeigt das niemand so sehen würde wie ich es sehe und wenn es das Gefühl vermittelt das ich gefühlt habe.

Lade ich meine Fotos auf Flickr hoch, bekomme ich nur wenig Inspiration dafür, wie ich meine Fotografie weiter entwickeln könnte. Als privates Fotoalbum kann ich mir vorstellen weiter zu flickrn – aber wird es künftig der Ort sein für Foto-Projekte die mir am Herzen liegen? Eher nicht.

Wie mache ich weiter mit Flickr?

Ich bin zum Schluss gekommen dass mir Flickr etwas bringen kann. Aber dafür muss ich anders damit umgehen. Ich werde mir einzelne Fotos heraus picken die mit gut gefallen und die es mir wert sind besprochen zu werden. Ich möchte die Plattform stärker zur Inspiration nutzen.

In einer losen Reihe werde ich Fotos anderer Fotografen auswählen und auf meinem Blog erzählen warum sie mir gefallen. Es werden Fotos sein, die etwas zeigen das ich in meinen Fotos stärker als bisher zeigen oder berücksichtigen möchte; Fotos die etwas haben was ich bemerkenswert finde und etwas das ich lernen möchte. Es wird eine Reise durch unterschiedliche Bildstile, Themen und Sichtweisen sein. Es wird eine Reise sein, die meine eigenen Sehgewohnheiten verändert, so wie mir jede Reise neue Horizonte eröffnet hat. Zwei oder maximal drei Fragen werden mein Kompass sein:

Warum spricht mich das Foto an? Welche Assoziationen und Gefühle weckt das Foto bei mir? Welche Gestaltungsmittel hat der Fotograf eingesetzt?

Hier geht’s zur ersten Station dieser Reise.

3 comments

  1. Ein echt toller Beitrag, den ich in allen Punkten zustimmen kann.

    Ein vernünftiger Austausch, das erhalten von Feedback mit dem man auch was anfangen kann ist bei Flickr leider kaum möglich.

    Aber da kann man den Namen „Flickr“ auch durch jeden anderen austauschen, sei es „Fotocommunity“, „500px“, „Facebook“ oder „Google+“. Überall das gleiche, likest Du eins von meinen, like ich eins von Deinen. Kommentare beschränken sich oft auf „Top“, „Klasse“, usw.

    Es ist echt Schade, dass es im Internet wohl keinen vernünften Austausch mehr gibt.

    Gruß,
    Andreas

    • Hallo Andreas, herzlichen Dank für dein positives Feedback und dein Statement! Ich denke ein Austausch kann online statt finden, aber wohl eher unter Leuten, die bereits einen Draht zueinander haben. Viel Spass weiterhin an der Fotografie!

  2. Deine Erfahrungen und meine decken sich überhaupt nicht. Ich nutze Flickr jetzt seit 2 Jahren aktiv, vorher habe ich mir oft einfach Bilder angeschaut. Diese haben m. E. grösstenteils eine hervorragende Qualität, man kann das sicher nicht Facebook o.ä. ähnliches vergleichen.
    Meinem eigenen Stream folgen nur wenige und ich selber folge auch nur wenigen. Meistens gefallen anderen Bilder, die mir selber eher nicht am besten gefallen bzw. gefallen meine Lieblingsbilder selten anderen. Mir ist das egal, ich fotografiere für mich und nicht für die anderen. Natürlich freue ich mich, wenn jemandem ein Bild gefällt. Ich persönlich glaube weniger daran, dass ich mich weiterentwickle indem 100 Leute an meinen Bildern rumkritisieren, sondern indem ich immer weiter fotografiere und meine eigenen Bilder kritisch hinterfrage, mich weiterbilde indem ich z.B. Tutorials schaue, Bücher lese etc. Auf flickr finde ich ständig Inspirationen, denn dort hat es viele ganz hervorragende Fotografen.

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