Berlin Tagebuch #03

Schloss Charlottenburg / Kottbusser Tor & Oranienstrasse

Berlin Schloss Charlottenburg

Berlin Schloss Charlottenburg

Fu**, der Kontrast könnte nicht krasser sein. Gerade bin ich noch durch den Park vom Schloss Charlottenburg geschlendert und habe die goldenen Engelchen vor blauem Himmel bestaunt und jetzt stehe ich in Kreuzberg am Kottbusser Tor, die Engel wurden ausgetauscht gegen Satellitenschüsseln. Heute steht Döner auf dem Menüplan.

Kreativ oder abgefuckt? Das darf jeder interpretieren wie er will

Kreativ oder abgefuckt? Das darf jeder interpretieren wie er will

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Aber erst mal bin ich froh ein Café gefunden zu haben das schon offen hat. „Milch & Zucker„, so eine Art Fusion aus cosmopolitischer Müsli-Bude und Nerd-Schick. Sehr nett und richtig guter Café. Oder Tee. Oder frischer Saft. Nur dass es schon zu nett für Kreuzberg ist, also irgendwie nicht so recht hierher passt. Oder doch? Geht so das neue Kreuzberg? Ich ziehe meine Schlumpfmütze auf, um irgendwie auch ein wenig hipp zu sein. In einem Anfall jugendlichen Leichtsinns habe ich eine stylische Sonnenbrille für 4,90 € gekauft. Ich sehe damit nicht besser, aber ich sehe besser aus.

Café, Milch & Zucker in der Oranienstrasse

Café, Milch & Zucker in der Oranienstrasse

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Also für Kreuzberg-Anfänger wie mich ist dieser Ort wie eine Insel inmitten des tosenden Sturms. Da draußen pulsiert das Leben und ich sitze neben Apfel-Logos auf dem Pseudo-Vintage-Leder-Prunk-Sofa. Was für ein krasser Gegensatz. Draußen passiert das Leben, eine unvermeidbare Kollision der Kulturen und Weltanschauungen, Lebensgeschichten und -konzepten, von denen nicht wenige ‚Schicksal‘ heissen, … und irgendwie fühlt sich das verdammt lebendig an so unmittelbar der Menschheit ausgeliefert zu sein. Nebenan wird der Dönerspiess aufgetaut und die Kohlen vorgeglüht. Ich glaube in einem anderen Land zu sein, nein, auf einem anderen Kontinent. Dabei passt die Kultur gut zu meinem Lebenswandel: in erster Linie ‚Sein‘, arbeiten um zu leben. Live now, procastinate later. Das Museum der Dinge macht erst in einer Stunde auf.

Hinterhöfe

Inkubator für unzählige Nano-Betriebe: die Hinterhöfe von Kreuzberg

Mit einem Augenzwinkern präsentiert sich das Museum der Dinge. Irgendwie ist das Ganze historisch im Deutschen Werkbund verankert, aber es ist für jeden was dabei zum Schauen und Freuen und Kopfschütteln und Lachen. Also der Spaß ist’s wert. Außerdem hält auch der Shop witzige Kuriositäten bereit, die sich gut als Mitbringsel eignen.

Planänderung: es gibt doch wieder Chicken Thai, diesmal im Amrit, dem Platzhirsch für asiatischer Küche. Insgesamt wird echt was geboten fürs Geld, jede Menge orange und so. Hier ein Buddha und dort weiss Gott wer, Schätzchen, ist das stimmungsvoll aber sorry, das Curry war im Moon Thai um Welten besser.

In einem Antiquariat kaufe ich „Wie würde es Konfuzius anstellen eine Gehaltserhöhung zu bekommen?“ – für 1€ – und lerne: „der Angst zu begegnen ist einfach, ihr auszuweichen ist eine unnötige Komplikation“… Jedenfalls schmeckt der Tee „sehr geil“: Frische Blätter der Pfefferminze, Zitrone, Ingwer und Honig.

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Konfuzius hätte seine Freude

Am Abend dann ein Ausflug an den Wannsee. Zum „Schießen und Freunde treffen“, sorry, das ist ein Insider-Witz. That was just ammmaaazzziiiing, Dan 🙂

Aber nochmal zurück zu Kreuzberg. Die Eindrücke habe ich noch nicht wirklich verarbeitet aber ich habe da so eine Ahnung: ich will wieder da hin. Es ist so abgefuckt & ehrlich, lächerlich & gefährlich (für die Inspiration), beängstigend & befreiend. Was es auch ist, ich werde nochmal hin fahren. Das nächste Mal wieder.

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