Produkt Test: Belichtungsmesser Gossen Sixtomat F2

Mit einem externen Belichtungsmesser lassen sich Beleuchtungs-Situationen meistern, die das Messsystem der Kamera überfordern. Wer zum Beispiel mit mehreren Lichtquellen arbeitet um bestimmte Aspekte des Motivs herauszuarbeiten, kommt um einen externen Belichtungsmesser nicht herum. Ein besonders einfaches und kompaktes Modell ist der Sixtomat F2 von Gossen. Er beherrscht Dauerlicht- und Blitzmessungen und kann für Licht- und Objektmessungen eingesetzt werden. Insbesondere für Strobisten kann ich ihn sehr empfehlen. Warum – das lest ihr hier!

Was für eine Überraschung – der Belichtungsmesser ist da! Da liegt ein Paket von Gossen Foto- und Lichtmesstechnik vor meiner Türe. Das kann eigentlich nur der Gossen Sixtomat F2 sein. Ich wurde als einer von zehn Lesern des Magazins PHOTOGRAPHIE als Tester für dieses Gerät ausgewählt. Freude herrscht!

Externer Belichtungsmesser Gossen Sixtomat F2

Externer Belichtungsmesser Gossen Sixtomat F2

Der Gossen Sixtomat F2 ist ein kompakter Belichtungsmesser, der neben Dauerlicht auch die Blitzmessung beherrscht – die mich in erster Linie interessierte. Seit ich angefangen habe mit Licht zu modellieren (entfesselt Blitzen mit Lichtformer und mehreren Lichtquellen), habe ich einen Schub an Inspirationen erlebt und insgesamt neue Ziele beim Fotografieren gefasst. Jetzt bin ich mehr als gespannt.

Wie bei einem externen Belichtungsmesser üblich, interessiert die Lichtmessung (wie viel Licht fällt auf das Objekt?) mehr als die Objektmessung (wie viel Licht reflektiert das Objekt?). Zweites beherrscht die Kamera ohnehin. Die Lichtmessung am Objekt wird also von vornherein nur dann gebraucht werden, wenn die eingebaute Messung der Kamera systembedingt zu ungenaueren Ergebnissen führt oder die Handhabung zu umständlich ist. Ich frage mich also: Wo ist das der Fall, wie oft kommt das vor, und wie kritisch sind diese Situationen? Ist der Vorteil wirklich so groß dass sich ein zusätzliches Gerät lohnt? Um es vorweg zu nehmen: ja!

Es ist wahrscheinlich bekannt, dass die Belichtungsmessung der Kamera von einem geeichten Grauwert ausgeht, anhand dessen sie die reflektierte Lichtmenge misst, also die Lichtmenge, die vom Motiv reflektiert wird und letztendlich durch das Objektiv auf den Sensor einfällt. Schon daraus folgt, dass insgesamt helle oder insgesamt dunkle Motive tendenziell falsch belichtet werden. Die heutige Mehrfeldmessung, das Fotografieren in RAW oder schlimmstenfalls eine Belichtungsreihe (und die Möglichkeiten der HDR Fotografie) eliminiert dieses Problem weitgehend – dachte ich. Und natürlich schadet auch ein Blick auf das Histogramm nicht, so kann man – falls nötig – gegensteuern. Wofür also der Aufwand mit einem extra Gerät?

1.) weniger Ablenkung vom Motiv

Ehrlich gesagt kann ich es nicht leiden, wenn ich während des Shootings ständig am Display „hänge“ um das Histogramm zu checken. Es kostet Zeit und der Kontakt zum Model geht verloren. Allenfalls kontrolliere ich auf dem Display die Schärfe und ob mir der Lichtabfall auf meinem Motiv (oder zum Motiv-Hintergrund, siehe Bild unten) gefällt, was mir viel wichtiger ist. Wenn ich mit dem Belichtungsmesser also vorher weiss, wie ich die Einstellungen an Kamera und Blitz haben möchte, wäre das eine Erleichterung und ich würde mir einige Testfotos und langes rumprobieren am Blitz und den Blick auf das Histogramm sparen. Wie sich gezeigt hat, leistet der Sixtomat genau das.

Portrait Fotografie Martin Frick

Die ausgewogene Balance von Umgebungslicht und Motiv-Licht ist beim entfesselt Blitzen immer entscheidend. Genau hier liegt die Stärke eines Belichtungsmessers, der beides misst.

2.) Zeitgewinn bei komplexen Lichtsettings

Dazu kommt, dass ich selten einen Assistenten am Set habe, der schnell anstelle des Models da stehen kann bis ich das Lichtsetting fertig habe. Eine Messung vereinfacht also den Ablauf und schont meine Nerven, weil niemand aufgrund des technischen Tunings warten muss.

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Der Sixtomat F2 gibt direkt die Differenz zwischen Umgebungslicht und Blitzlicht an (hier über 2 Blendenstufen, auf der analogen Skala unten im Display). Das ist besonders hilfreich, um das Motiv vom Hintergrund zu lösen.

3.) kompatibel mit jedem Lichtequipment

Als Strobist arbeite ich mit low budget Blitzen zwischen 15-70 € (alle drei von Metz). Nicht alle sind komplett manuell steuerbar, also ist viel improvisieren angesagt. Die Lichtmessung mit dem Gossen hat mir geholfen weil er mit der ersten Messung die richtige Belichtung liefert. Selbst wenn ich den Wert noch verschieben will, habe ich schon beim ersten mal die passenden Parameter. Beispielsweise möchte ich mein Motiv im Gegenlicht positionieren.

Durch die Messung habe ich einen passenden Wert gefunden, z.B. 1/180 sec, Blende 5,6, und der Blitz stand auf 1/4 Leistung. Jetzt sehe ich, dass das Bild korrekt belichtet ist, mein Model aber sich nicht genügend vom Hintergrund abhebt. Wenn ich diesen Unterschied um 1 Stufe dramatisieren will, gehe ich einfach eine Blendenstufe runter (Blende 8) und mit dem Blitz auf 1/2 Leistung. Und was passiert? Motiv und Hintergrund heben sich besser ab.

Der Sixtomat hilft hier, da diese Werte schon von Anfang an bekannt sind. Bei einer Blitzmessung gibt er nämlich nicht nur die Belichtung bezogen auf das Blitzlicht aus, sondern zusätzlich den Belichtungswert vom Dauerlicht. Diese Differenz gibt einen ersten Eindruck davon, wie Motiv und Umgebung aufeinander abgestimmt sind.

4.) volle Kontrolle der Kontraststeuerung

Wenn ich die Einstellung des Blitzes messen kann anstelle sie durch probieren zu ermitteln, muss ich diese nur einmal korrigieren damit diese passt. Das gilt auch für jeden weiteren Blitz, also potenziert sich diese Vereinfachung für jede zusätzliche Lichtquelle (ich arbeite mit max. 3 Blitzen + ev. Umgebungslicht).

Zudem kann ich mit der Messung von vornherein den Lichtwert des Blitzes festlegen, zum Beispiel indem ich den Aufhellblitz von vornherein 2 Stufen dunkler als das Hauptlicht wähle. Das gleiche gilt natürlich für ein Kantenlicht oder den Hintergrund, das ich exakt auf die weiteren Lichtquellen abstimmen kann ohne lange zu experimentieren … wie man hier sehen kann…

Portrait Fotografie Martin Frick

Auch den zweiten Blitz für das Kantenlicht habe ich direkt mit dem Gossen Sixtomat F2 ausgemessen.

Licht und Schatten

Der Sixtomat F2 ist handlich und einfach zu bedienen. Beim Blitzen hat er immer die passenden Werte geliefert. Die Dauerlicht-Messung ist allerdings ein komplexes Feld. Zunächst hatte ich durchwegs zu dunkle Werte erzielt. Das war wohl mein Fehler, wie ich feststellen musste. Von Gossen bekam ich die Auskunft, dass der Sensor/Diffusor in Richtung der Lichtquelle/Sonne gehalten werden sollte (wie eigentlich beim Blitzen auch), nicht in Richtung der Kamera. Jetzt kann es passieren, dass das Bild immer noch zu dunkel wirkt, aber warum?

Subjektiv erschien die kamerainterne Messung häufig zunächst besser, weil das Histogramm ausgeglichener war und die Bilder mehr Leuchtkraft hatten. Dagegen war die manuell gemessene Aufnahme im Histogramm öfters linkslastig, also insgesamt viel dunkler. Bei genauerer Betrachtung merkte ich aber, dass die Automatik der Kamera einen Kompromiss eingegangen war um die extremen Helligkeitswerte irgendwie zu managen. Leider ging dabei tatsächlich Bildinformation verloren, und im Detail betrachtet lieferte der Gossen das korrekt belichtete Bild, auch wenn das am Display (und sogar in Lightroom) zunächst zu dunkel erschien.

Als ich das manuell gemessene Bild in Lightroom angeschaut habe, warnte das Histogramm vor dunklen Ausbrüchen. Allerdings stellt Lightroom einen Standard-Schwarzwert von „5“ ein, was für die meisten Fotos einen guten Kontrast ergibt. Als ich diesen auf „0“ zurück setzte, war im Schatten die ganze Information vorhanden, also konnte ich dem Gossen doch trauen. Zudem ist nie ganz sicher, wieviel Optimierung der Bildprozessor in der Kamera bei der internen Messung noch vornimmt, also Bereiche heller belichtet als sie gemessen wurden, z.B. weil damit Rauschen unterdrückt wird. Daher ist es wichtig, erst einmal alle Einflussfaktoren zu kennen und zu eliminieren.

 

Bei extremen Beleuchtungssituationen überfordert der Dynamikumfang des Motivs gerne mal die Fähigkeiten des Sensors. Hier muss man sich also als Fotograf entscheiden, ob man mehr wert auf die Lichter oder auf die Schatten legt. Hätte ich zudem die Kontrastmessung des Sixtomat F2 benutzt, wäre mir wohl aufgefallen, dass der Dynamikumfang sehr gross ist, und ich hätte weitere Massnahmen ergreifen können. Die Gossen Messung + Reflektor zum Aufhellen der Schatten wäre daher eine gute Wahl gewesen.

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Hier hat mir die Messung vom Gossen auf Anhieb gefallen, denn sie vermittelt die Lichtstimmung im schattigen Kreuzgang des Basler Münsters besser. Gossen: 1/125 sec, Blende 1,8; Canon 5D: 1/60 sec, Blende 1,8 (also exakt 1 Belichtungsstufe Differenz).

Wichtig ist noch, dass die Zwischenstufen der Blende am Gossen richtig interpretiert werden, denn ein halber Blendenwert macht sich schnell bemerkbar. Ich hatte den Gossen auf 1/2 Stufen eingestellt, weil ich auch die Blende an der Canon 5D auf 1/2 Stufen eingestellt habe, so konnte ich die Werte am Gossen und die an der Kamera in Übereinstimmung bringen. Und: offenbar lässt sich die Frage nach einem korrekt belichteten Foto nicht abschliessend klären, dafür sind zu viele Parameter im Spiel. Das Ziel sollte sein, bei der Aufnahme möglichst schnell zu hochwertigen Bilddaten zu kommen, was die Nachbearbeitung vereinfacht und die Bildidee optimal unterstützt.

Fazit

Wo die interne Belichtungsmessung der Kamera am Ende ist, fühlt sich der Gossen Sixtomat F2 gerade wohl. Beim Setzen von Licht mit entfesselten Blitzen leistet er unschätzbare Dienste und erspart viel Zeit beim Ausprobieren. Eine Blitzsteuerung, die die Helligkeitswerte mehrerer Funkblitze steuert, kostet ja bekanntlich ein Vermögen. Wer dagegen nach Strobisten-Manier mit einfachem Gerät am Start ist, profitiert umso mehr vom Sixtomat F2. Insbesondere die Anzeige von Dauer- und Blitzlicht – im Rahmen einer einzigen Messung – hat mir gut gefallen.

Sicherlich kann man noch viel mehr damit machen als ich in der kurzen Zeit ausprobieren konnte, z.B. lässt sich mit der Kontrastmessung der Dynamikumfang bestimmen. Bei einfachen Motiven würde ich mich auf die interne Messung meiner Kamera verlassen. Bei hellen oder dunklen Motiven, im Schatten oder wenn mehrere Lichtquellen und Blitze eingesetzt werden, kann ich das Gerät wärmstens empfehlen.

 

Anhang

Lieferumfang, Ausstattung und Verarbeitungsqualität
Zum Sixtomat F2 gehört auch ein Halsband mit Klick-Verschluss und eine Neoprenhülle, die am Gürtel oder am Rucksack befestigt werden kann. Das Halsband habe ich oft benutzt, denn davon lässt er sich einhändig lösen. Leider kann man den Klick-Verschluss nicht mehr einhändig schliessen. Wer das möchte, zum Beispiel, weil die Kamera keinen Gurt hat und nicht auf dem Boden abgelegt werden soll, nimmt den Belichtungsmesser einfach in den Hosensack oder benutzt die Neoprenhülle. Als Stromversorgung kommt eine AA-Batterie zum Einsatz. Das Gerät wird eigentlich nicht ausgeschaltet, sondern geht einfach in den Standby. Drückt man wieder einen beliebigen Knopf, erscheinen die letzten Messwerte erneut auf dem Display.

Das ganze Produktpaket macht einen sehr hochwertigen und überzeugenden Eindruck. Auch die Broschüren und die Kommunikation mit Gossen war professionell und erweckt Vertrauen. Möglichen Bedienungsfehlern konnten wir gemeinsam auf den Grund gehen und Lösungswege diskutieren. Ich finde diesen Aspekt sehr wichtig, denn man möchte ja auch nach dem Kauf eines Gerätes nicht im Regen stehen gelassen werden. Wird man als Kunde nach dem Kauf bei der Anwendung professionell unterstützt, trägt das wesentlich zur Freude an einem Produkt bei.

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