Berlin Tagebuch #01

Charlottenburg / Tiergarten / Brandenburgertor / Raum der Stille / Reichstag / Helmut Newton Sammlung

Gefühlt weiß ich nicht mehr ob ich schon mal in Berlin war. Die Stadt ist für mich so wenig greifbar und ich weiß gar nichts von ihr. Außer dass ich irgendwann schon mal da gewesen sein soll. Es gibt so vieles von allem und es scheint mir dass jeder der „Berlin“ sagt, ein anderes Berlin meint. Das ist ungefähr so wie Geschichte von den Hühnern und der Mafia.
Es gibt so viele unglaubliche und unterschiedliche Sachen hier – kleine Menschen – große Menschen – junge Menschen – alte Menschen – hässliche Menschen – schöne Menschen. Menschen-Menschen und Freak-Menschen. Asphalt-Straßen und Wasser-Straßen (in Berlin gibt es mehr Brücken als in Venedig, danke Dan!), Häuser und modrige Natur inmitten der Stadt und was weiß ich nicht alles – aber von allem viel. Jetzt sitze ich mitten im Tiergarten und das Surren von draußen geht weiter.

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Ein schickes Hausboot auf dem Landwehr Kanal im Tiergarten. Leben auf dem Wasser umgeben von Grün mitten in Berlin.


Hier gibt’s Leute die wohnen zu Hause, Leute die wohnen auf einem Boot und Leute die wohnen gar nicht. Ich laufe hier rum und mache vor allem eins: wundernschauen.

Ich glaube Besucher und Bewohner unterscheiden sich dadurch, dass die einen sich wundern und die anderen nicht (mehr).

Brandenburgertor

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Aufgeschlossener Drehorgenspieler am Brandenburger Tor

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Der Raum der Stille im Brandenburgertor war eine echte Überraschung. Auf einmal ist da nur noch dein eigener Atem und das Blubbern von Vollpfosten im Plastikbecher von Starbucks.

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Copyright Helmut Newton Foundation www.helmutnewton.com

Museum für Fotografie (Helmut Newton Foundation)

Die Portraits von Newton sind genial ausdrucksstark, aber ich frage mich auch wie er die Leute dazu gebracht hat bei diesem „Saich“ mitzumachen. Zum Beispiel das Familienportrait von Carla Brunis Familie. Ich meine, sorry, wie kommt man auf die Idee, dass die Mutter besser aussieht wenn sie in Unterwäsche da steht, wie ein begossener Pudel? Haben sich nur exzentrische Leute von dem Mann ablichten lassen oder wurden alle exzentrisch wenn sie vor der Linse von Newton standen? Der Rest ist ja bekannt: Morgens Brüste, mittags Brüste, abends Brüste.
Was mir gefällt ist wie er die Umgebung mit ins Portrait integriert. Z.B. Maria Saint Georges in Eze sur le Mer, einfach dramatisch an der Felsenküste im Sonnenuntergang. Oder Palma Picasso mit dem Glas. Viele Bilder machen den Eindruck dass sie zufällig irgendwo entstanden sind und zufällig war gerade eine geile Kulisse verfügbar, ein nicht zu aufdringlicher Raum, eine schattige Garage, eine Mauer mit Efeu egal aber es passt dann doch irgendwie. Und das Posing der Leute, naja einfach verdammt kafkaesk wenn man das so sagen kann. Ich kann mir vorstellen wie er dem Model Regieanweisungen gibt, z.B. „…und jetzt schau mal als hättest du gerade den Chihuahua deiner besten Freundin überfahren „. Sonst wird das Foto noch zu schick…

Was ich mitgenommen habe: nicht dem Model muss das Foto gefallen sondern dem Fotograf. Und: verabschiede dich bitte von dem Gedanken, ein Foto möge die Sonnenseite im Leben zeigen. Zeige lieber das Komische und traue dich den Charakter sprechen zu lassen.

Reichstag
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Dieser Prunk da am Reichstag hat mich irgendwie beeindruckt. Da komme ich Aus dem Tiergarten langsam drauf zu und diese Pfeiler, die Kuppel und die riesen Fahnen die leicht im Frühlingswind wehen, das hat etwas Feierliches, dem man sich nicht unbedingt so entziehen kann. Da wird in mir etwas Symbolisches getriggert, so eine Art limbischer Code für Einfluss. Die Kathedrale der Macht eben.

Lecker gegessen…

… Haben wir heute im Moon Thai, einem kleinen Familienbetrieb, wo es eben so herzlich wie frisch zugeht. Für Freunde des Thai Curry sehr empfehlenswert.

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PS
Alle Fotos auf dieser Seite habe ich mit meiner Fujifilm X10 gemacht und ohne nachzubearbeiten verwendet (abgesehen von vereinzelten Crops) – JPG out of cam. Sehr geil.

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