New York – Brooklyn Fulton Street

Es ist schon wieder drei Uhr am Nachmittag und ich bin noch nicht aus Brooklyn raus gekommen. Die Fulton Street erschien mir dann doch zu interessant und ich bin erst wieder heute Abend mit Lauren verabredet. Daher kam es gerade recht als ich beim Sahara Ark gestrandet bin um einen chicken salad zu essen.

Die Stammgäste brüllen durch die Gegend aber ich verstehe kein Wort, das muss wohl arabisch sein. Wenn ich also was erleben will, gibt es nur zwei Möglichkeiten: mit den Leuten direkt in Kontakt treten oder mich unsichtbar machen. Ich entscheide mich fürs erste.

Der chicken salad mit Hummus war genau das richtige. Ständig den Geruch nach leckerem Essen in der Nase zu haben ist wahrscheinlich weit gefährlicher als die Menschen. Der Stammtisch der Araber löst sich jetzt unter lautem Gebrüll auf und einer der Männer macht sich auf dem Gebetsteppich neben der Türe parat. Was echt schräg ist: darüber hängt ein großer Flachbild-TV und da läuft jetzt die Werbung für eine sprechende Bibel. WonderBible. Ein schrecklich hässlicher Kasten mit Batterien, den du dir auf den Schreibtisch stellen kannst und daraus plärrt dir eine Computerstimme etwas aus dem Lukas Evangelium vor. Oder den Psalm mit den Schafen. Der Herr ist dein Hirte.  Darunter betet der Araber gen Mekka.

Dann komme ich mit Mohammed ins Gespräch. Ursprünglich aus dem Sudan, lebt er jetzt seit 30 Jahren in den USA, den Laden hier hat er seit fünf Jahren. „Where are you coming from?“ Seine Augen strahlen, als er mir erzählt dass er schon mal mit dem Bus über Syrien in die Türkei und an den Bosporus gereist ist, also auch schon mal in Europa war. Wir trinken zusammen einen Tee und ich darf ein Portrait von ihm machen. Habe selten einen Menschen gesehen mit solch einem Ausdruck. Viele Bekannte aus seiner Community fahren Taxi. Einer davon hat sogar ein erfolgreiches Taxiunternehmen, deshalb bekomme ich jetzt noch einen Wandkalender mit Hundemotiven geschenkt, ein Werbegeschenk des Taxiunternehmens.

Im Fernseher läuft jetzt so eine Reality-Sendung aus dem Gericht, bei dem sich ein Paar über die Konditionen der Scheidung streitet. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass hier unterschiedliche Welten kollidieren. Derweil ist der Opa auf seinem Gebetsteppich fertig geworden. Er schlüpft in seine Turnschuhe. Schnüren ist nicht nötig da sie hinten runter getreten sind und so humpelt er aus der Türe und raus und auf die Fulton Street.

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